

Die Wirbelsäulenchirurgie hat in den letzten Jahrzehnten sehr große Fortschritte gemacht. In spezialisierten Zentren können auch größere Operationen mit Korrekturen bestehender Deformitäten mit großer Sicherheit durchgeführt werden. Es ist ein Vorurteil und falsch, dass das Risiko nach einer Operation an der Wirbelsäule gelähmt zu sein hoch ist. In den hierfür speziell ausgerichteten Zentren ist das Risiko nicht höher als bei anderen größeren Standardoperation in der orthopädischen Chirurgie.
Als grober Richtwert bei einer jugendlichen Skoliose gilt, dass ab einem Skoliosewinkel von 40° eine Operation in Frage kommt. Die Indikation zur Operation hängt jedoch von einigen weiteren Faktoren ab, etwa ob die Skoliose an der Brust- oder Lendenwirbelsäule besteht, wie stark die Wirbelkörper verdreht sind, ob ein Flach- oder ein Hohlrücken vorliegt, vom Alter sowie natürlich von der kosmetischen Situation. Darüber hinaus spielt natürlich auch die Ursache der Skoliose eine Rolle.
Vor der operativen Korrektur einer Skoliose führen wir für einige Tage eine Streckbehandlung durch (Cotrel-Extension). Diese ist weder schmerzhaft, noch wird ein Ring am Kopf befestigt (die sog. HALO-Extension ist heutzutage nur noch selten bei schweren Kyphoskoliosen notwendig) und wird nach Anleitung durch die Physiotherapeuten selbständig im eigenen Bett durchgeführt. Diese Streckbehandlung dient nicht nur zur Lockerung der Wirbelsäule, sondern vor allem auch zur OP-Planung: In Streckung wird ein Röntgenbild angefertigt welches zur genauen Planung der Operation wichtige Hinweise gibt.
Durch Verwendung modernster Implantate und OP-Techniken kann häufig nach einer Operation auf eine Korsettbehandlung verzichtet werden. Demgegenüber ist jedoch bei bestimmten Formen der Skoliose weiterhin eine Operationstechnik sinnvoll, welche eine kurzfristige Wachstumslenkung und Stabilisierung mittels Korsett notwendig macht.
Nein, die Patienten sind nach der Entlassung i.d.R. ausreichend mobil. Wenn notwendig, werden Ihnen für zu Hause Hilfsmittel verordnet. Nach etwa 4 Monaten kommen einige Patienten für eine Woche stationär zur Kontrolluntersuchung sowie für ein intensives physiotherapeutisches Aufbauprogramm. In einigen Fällen ist anschliessend noch eine weitere Rehabilitationsbehandlung sinnvoll, dies wird dann durch den Sozialdienst der Klinik organisiert.
In der Anfangs-Zeit nach der Operation sollte auf Sport verzichtet werden (die Dauer ist abhängig von der Art der Operation), nach Ausheilung ist jedoch Sport in den meisten Fällen uneingeschränkt möglich.
Der Begriff der Versteifungsoperation ist insofern irreführend, als er suggeriert, der Patient sei anschließend steif. Im Gegenteil empfinden sich viele Patienten nach einer stabilisierenden Operation als besser beweglich, da die Schmerzursache beseitigt ist. Mit einer gewissen Bewegungseinschränkung bei Maximalbewegungen ist jedoch zu rechnen, insbesondere bei der Notwendigkeit einer längerstreckigen Instrumentation an der Wirbelsäule.
Dies ist insbesondere ein Thema bei bestehenden Verschleißerscheinungen. Im jüngeren Alter wird durch Verwendung von beweglichkeitserhaltenden Implantaten (künstliche Bandscheiben) versucht, die angrenzenden Segmente zu schonen. Das Auftreten von Verschleißerscheinungen in der Bandscheibe oberhalb einer durchgeführten Stabilisierungsoperation wird sicherlich in der Häufigkeit überschätzt, kommt jedoch vor. Insbesondere auch, da das Auftreten von Verschleißerscheinungen häufig altersbedingt ist. Wichtig ist jedoch, dass häufig durch eine stabilisierende Operation Deformitäten korrigiert werden können und hierdurch ein Voranschreiten von Verschleißerscheinungen verhindert werden kann.
Bei voroperierten Patienten ist eine genaue Abklärung der Schmerzursache notwendig. Vernarbungen, Einengungen des Rückenmarkkanals, Probleme der benachbarten Bandscheiben und auch nicht fest gewordene Stabilisierungen können Schmerzursache sein. Bei solchen schmerzverursachenden Veränderungen kann jedoch durch eine neuerliche Operation in den meisten Fällen eine deutliche Schmerzlinderung erreicht werden.
Vordere Eingriffe sind an der Halswirbelsäule die häufigsten Operationen und können dort sehr schonend durchgeführt werden. Vordere Zugänge an der Brust- und Lendenwirbelsäule (durch den Brustkorb bzw. durch den Bauch) gehören ebenfalls zu Standardoperationen in wirbelsäulenchirurgischen Zentren. Sie kommen dann zur Anwendung, wenn die Wirbelsäule entweder vor einer Korrekturoperation zunächst gelockert werden muss oder wenn nach erfolgter hinterer Operation die Wirbelsäule auch von vorne (im Bereich der Wirbelkörper und der Bandscheiben) stabilisiert werden muss.
Lediglich diejenigen Patienten, bei denen eine Stabilisierungsoperation im Bereich der untersten Bandscheibe der Lendenwirbelsäule (L5/S1) notwendig wird, dürfen nach dem Eingriff für 6 Wochen nicht tief sitzen. In diesen Fällen gibt es dann spezielle Hilfsmittel, die dies erleichtern. Nach allen anderen Operationen darf die Patientin normal sitzen.
In der Regel werden die Patienten für 1 Nacht auf der Intensivstation überwacht, Aufstehen ist 1–2 Tage nach der Operation möglich.
Der Begriff der minimalinvasiven Wirbelsäulenchirurgie wird nicht einheitlich gebraucht und ist häufig für den Patienten eher verwirrend. Ob minimalinvasive Verfahren bei Ihnen anwendbar sind, muss je nach Befund im Einzelfall entschieden werden. Als minimalinvasiv bezeichnete Verfahren bringen nicht zwangsläufig auch langfristig für den Patienten Vorteile.
Grundsätzlich gibt es keine Altersbeschränkung für Operationen an der Wirbelsäule, wobei im höheren Alter eher kleinere und weniger belastende Eingriffe zur Anwendung kommen. Vor der Entscheidung für einen operativen Eingriff muss eine genaue Abklärung. vorbestehender Erkrankungen durch den Narkosearzt und ggf. auch Internisten erfolgen. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sind die Ergebnisse von Wirbelsäulenoperationen auch im höheren Alter gut.
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| Aktualisiert am 08.01.2009 | Seite empfehlen