

Durch eine Schädigung des Rückenmarkquerschnitts hervorgerufenes Lähmungbild mit Ausfall motorischer, sensibler und vegetativer Funktionen des Körpers.
Lähmungen des Halsmarkes bezeichnet man als Tetraplegie (alle vier Gliedmaßen betroffen), alle anderen Lähmungen mit Beteiligung der unteren Extremitäten (Beine) als Paraplegie.
Je nach Ausmaß der motorischen
und sensiblen Ausfälle spricht man von kompletter oder inkompletter
Lähmung.
Bei einer kompletten Querschnittlähmung handelt es sich um eine
völlige Unterbrechung der Leitfähigkeit des Rückenmarks, sei es
durch eine anatomisch vollständige Durchtrennung, durch Quetschung
bei Wirbelsäulenverletzungen, Tumoren, Infektionen oder
Durchblutungsstörungen.
Komplette Lähmungen sind im frischen Stadium durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
Hinzu kommen vorübergehende, zum Teil bleibende Funktionsschädigungen vegetativer Bahnen (z.B. Beeinträchtigung der Kreislauf-, Atem-, und Wärmeregulation).
Unter Parese versteht man ein motorisch inkomplettes
Lähmungsbild.
Man unterscheidet weiterhin zwischen schlaffer und spastischer
Lähmung:
Der spinale Schock ist ein spezieller Zustand bei akuten Rückenmarkschädigungen. Es kommt unterhalb des verletzten Rückenmarksabschnitts zu einem schwerwiegenden Ausfall motorischer, sensibler und vor allem vegetativer Funktionen mit schlaffer Lähmung der Muskulatur, Fehlen von Fremd- und Eigenreflexen, Fehlen der Gefäßkontrolle und Wärmeregulation, Blutdruckabfall (durch verlangssssamten Puls und fehlende Muskelpumpe), Darmträgheit, einer eingeschränkten Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen sowie einer schlaffen Lähmung der Harnblase. Zusätzlich können innersekretorische Störungen mit Elektrolytverschiebungen und Hyperglykämie (Überzuckerung) auftreten.
Nach Abklingen des spinalen Schocks kann über den Eigenapparat
des Rückenmarks eine reflektorische Regulation bestimmter
Funktionen wieder zustande kommen. So kann es nach einigen Tagen
oder Wochen zu Eigen- oder Fremdreflexen sowie zu einer Spastik
(vom Patienten nicht willkürlich beeinflussbare Muskelzuckungen)
unterhalb des verletzten Rückenmarkabschnitts kommen.
Bei der Behandlung von frisch Querschnittgelähmten gehen wir heute von folgenden Voraussetzungen aus:
Jede frische Querschnittlähmung ist intensivpflichtig.
Die Erstbehandlung bei frisch eingetretener Querschnittlähmung
sollte sobald als möglich in einem speziellen Zentrum für
Querschnittgelähmte erfolgen.
Ziele einer Erstbehandlung sind:
Herz-Kreislaufprobleme
Lungenprobleme
Muskeln/Haut
Knochen/Gelenke
Sonstige
Unter einem Dekubitus (Dekubitalulcus) versteht man ein
druckbedingtes Auflagerungsgeschwür.
Besonders durch den teilweise oder kompletten Verlust sensibler
Wahrnehmungen sowie eine Störung der Versorgungssituation der Haut
bedingt durch die vegetative Komponente der Lähmung werden
querschnittgelähmte Patienten leider häufig mit dieser Komplikation
konfrontiert. Die Schädigung entsteht durch Druck- u. Scherkräfte,
die zum Beispiel bei der Lagerung im Bett oder bei Sitzdruck im
Rollstuhl zustande kommen. Es bedarf daher der mehrfach täglichen
Hautkontrolle des Patienten und entsprechender Entlastung bei
Auftreten von geröteten Druckstellen.
Ist das schützende Hautniveau erst zerstört, besteht eine offene
Wunde, die meist mit bakteriellen Keimen verschmutzt ist. Es kann
auch zunächst eine Zerstörung des Unterhautfettgewebes entstehen,
die sich dann erst nach einiger Zeit im Eiterschwall nach aussen
entleert. Dies kann mit hohem Fieber und erheblich beeinträchtigtem
Allgemeinbefinden einhergehen. Kommt es zu einer Blutvergiftung
(Sepsis), besteht Lebensgefahr.
Die Behandlung des Dekubitus erfolgt zunächst prinzipiell durch dei konsequente Vermeidung weiterer Druckbelastung. Hierzu bedarf es einer entsprechenden Lagerung des Patienten, evtl. im Spezialbett. Ab einer gewissen Grösse des Dekubitus oder bei Lage an ungünstiger Stelle ist empfiehlt sich zur Behandlung ein operativer Verschluss in Form einer sogenannten plastischen Deckung des Defektes.
Heterotope gelenknahe Verknöcherungen (POA =
Periosteoarthropathien) bilden nicht selten ein zusätzliches
Problem bei der Rehabilitation Querschnittgelähmter.
Sie manifestieren sich meist im ersten Vierteljahr nach Eintritt
der Querschnittlähmung. Es handelt sich hierbei um gelenknahe
Verknöcherungen. Zumeist betroffen sind die Hüftgelenke aber auch
an Schulter-, Knie- und Ellenbogengelenken können POAs auftreten.
Aufgrund der zunehmenden Einsteifung betroffener Gelenke und der
damit verbundenen funktionellen Verschlechterung des Patienten
behindert die POA den Ablauf der Rehabilitation.
Ist ein solcher Verlauf erst einmal eingetreten besteht die
Möglichkeit der Behandlung des Patienten oft nur noch in der
operativen Entfernung der Verknöcherung. Im Frühstadium kann
versucht werden durch Medikamente und/oder eine Bestrahlung das
Fortschreiten der POA-Entwicklung einzudämmen.
Ziel des Behandelnden sollte es also sein, die Entwicklung einer
POA bereits im Frühstadium zu erkennen, da hier noch konservative
Maßnahmen zur Verfügung stehen, das Fortschreiten des Prozesses
aufzuhalten.
Das erste Anzeichen für die Entwicklung einer POA stellt
üblicherweise die zunehmende Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit
dar.
Eine lokale Schwellung, Rötung und Überwärmung des betroffenen
Gelenkes kann zusätzlich bei einigen Patienten beobachtet
werden.
Oft besteht daher zunächst die fälschliche Annahme eines
Gelenkinfektes oder einer Thrombose. Ein weiteres Anzeichen ist oft
eine Zunahme von Spastik.
POA –gefährdet:
Männlicher Patient zwischen 20 – 40 Jahre
alt,
leidet an einer spastischen, meist
kompletten Lähmung
evtl. Begleitverletzungen nicht selten
polytraumatisiert,
v.a. mit Lungenbeteiligung
(langzeitbeatmet)
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| Aktualisiert am 17.12.2009 | Seite empfehlen